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For someone so young and naive.

mood_wechselhaft&kindlich.

music_Skye&Sweetnam: Smoke&Mirrors.

Wie jedes Jahr im Herbst wird meine Oma wieder verrückt.

Ich tauchte in die Vergangenheit, die nach all den Jahren der Suche und des Fragenstellens immer noch irgendwie unergründlich vor mir liegt, bedeckt mit einem tiefblauen Film,der mir sein Durchbrechen nicht oft ermöglicht.

Ich erinnere mich, wie wir sie wieder einmal in der Klinik besuchten. Ich hasse den Klinikgeruch, aber wer tut das nicht? Ich komme nicht von dem gedanken los, dass es nach Verwesung stinkt. Es war Weihnachten, und sie bedrängte uns, Weihnachtslieder zu singen. Sie schrie:" Macht die Türe auf, alle sollen hören, wie schön wir singen!"
Ein anderes Jahr an Weihnachten schloss ich mich in der Toilette des China- Restaurants ein, weinte, weil Papa und Oma sich wieder gestritten hatten.

Heute. Ich stellte mich neben Mom ans Fenster, stützte die Ellbogen auf das Fensterbrett, atmete den Passivrauch ihrer Zigarette ein und fragte:"Woran ist Opa gestorben?" Und sie antwortete: "Er hatte schwere Durchblutungsstörungen im Gehirn. Daher kamen auch seine Depressionen." Und ich sagte:"Einmal, als ich noch sehr klein war, wollten Clara und ich draußen im Hof spielen, und er sagte Nein." (Ich formuliere das so, weil ich mich wahrhaftig an dieses Nein erinnern kann obwohl es so lang her ist.) Und da antwortete sie: "Er war immer sehr besorgt."

Er hatte Ängste, so wie ich. Und Depressionen sind vererbbar.

 

 

1.10.06 22:09


Ich erinnere mich nicht:

> dass er sich umbringen wollte, und Oma es im letzten Moment verhindern konnte. Sie ging mit ihm zum Arzt, behauptete jedoch, einen Selbstmordversuch hätte es nie gegeben. stritt alles ab. Wollte ihm nicht helfen. 

Anmerkung: Ich hasse diese Frau.

dass wir ihn in der Klinik besuchten.

"Du warst acht Jahre alt und Clara war zehn." Ich versuchte angestrengt, mich zu erinnern, doch da war nichts. Keine Erinnerung. Kein Déjà- vu. Kein gar nichts. Ratlosigkeit. "Du weißt es nicht mehr?", fragte sie mich. "Es war schrecklich. Absoluter Horror. Ihr wart nur noch verwirrt, aufgelöst, habt geweint. Klar, dass du das verdrängt hast."

Anmerkung: Warum erfahre ich das alles erst so viele Jahre später? Ganz nebenbei, beim Essen oder bei der Autofahrt? Warum funktioniert das so in dieser Familie?

 Ich hasse es.

1.10.06 22:28


Gut. Ohne bitteren Nachgeschmack.

"Und als ich dann den Pier entlang lief, begleitet vom Klimpern meiner neuen nightmare- Ohrringe, die Caitlin mir geschenkt hatte,und von den Schreien, die von der Achterbahn herueberwehten, und vom Rauschen des Meers, und vom Hufeklappern der Pferde, die die Touristenkutschen durch Blackpool ziehen... Da fuehlte ich mich einach gut, weisst du? Das Gefuehl fuellte mich ganz und gar aus und liess keinen Platz fuer Zweifel, keinen Platz fuer Angst oder Trauer. Keinen Platz fuer irgend was anderes. Ich fuehlte mich einfach nur gut."

Und so sollte es sein.

Das Paradies.

8.10.06 17:05


hilflos.

[mood] kalt. irgendwie.   [music] SoaD: Lonely Day

Ich moechte den Menschen so viel sagen, so viel erzaehlen. Ihnen mein Inneres erklaeren, vielleicht, um es endlich selber zu verstehen.

Mein Inneres nach aussen drehen, meine Seele auskotzen. Genau unter die Lupe nehmen. Seele sezieren, zerlegen, analysieren. Bis ins kleinste Detail, um endlich zu verstehen.

Ich moechte den Menschen so viel sagen, aber die Woerter, die aus mir quellen, sind nicht die Woerter, die ich sagen will. Hilflose, falsche Schreie, die in die Nacht fliegen und an den Menschen abprallen. BEDEUTUNGSLOS. so will ich nicht sein. Mehr und mehr verstumme ich weil ich Angst habe vor den Konsequenzen meiner Worte. Und:

Eine Implosion in meiner Seele fuer jedes unausgesprochene Wort, und eine weitere Implosion fuer jedes falsche Wort, das ich nicht haette sagen sollen.

SCHREI DOCH EINFACH!

 

 

11.10.06 15:55


Zerbrechliche Glasflügel.

Ich wache auf und blicke mit verschleierten Augen durchs Fenster, besser gesagt, durch den Spalt weißen Lichts den der grüne Fensterladen freigibt. Ich blinzle und richte den Blick auf eine Fliege, die über die Scheibe krabbelt. Immer wenn sie über den Lichtstreifen wandert, werden ihre transparenten Flügel hell erleuchtet. Doch wenn sie wieder im Dunkeln tappt, sind die Flügel grau. Und sie verschwindet beinahe. Ich muss daran denken, wie oft wir im Leben im Dunklen wandeln und wie selten wir illuminiert werden. Wir geraten so oft außer Reichweite.

Das zu realisieren kann sehr betrüblich sein, genauso wie einen Menschen mehr zu vermissen, als man sich eigentlich eingestehen wollte. 

19.10.06 19:01


Mit Tränen in den Augen und dem Wissen, dass alle Augen jetzt auf dich gerichtet sind, von der besten Freundin aus dem Physiksaal geführt zu werden, kann sehr erniedrigend sein. Den Kopf gesenkt und trotzig darüber, dass man nicht gegen die Tränen ankämpfen konnte, mutiert man zu dem kleinen hilflosen Kind von früher. Man hatte sich doch vorgenommen, so nicht mehr zu sein! Dann auf der grünen Liege des Sekretariats liegen, die Wand anstarren und die Tränen einfach fließen lassen. Stell dir vor, die anderen denken jetzt, es ist wegen dem Physiktest. Oder den Bauchkrämpfen, die doch kaum noch vorhanden sind. Als ob das wichtig wäre. Als ob das jetzt, wo man mit trüben Augen an die Wand starrt, irgendwie relevant wäre.

Scheiße, die Vorstellung macht mich krank. 

20.10.06 15:16


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